Kinder haben oft eine andere Sicht auf die Welt und nehmen Dinge und Geschehen um sie herum nicht unbedingt so wahr wie die Erwachsenen. Dies bildete den Ausgangspunkt des diesjährigen Gedenkprogramms im Ungarndeutschen Bildungszentrum in Baja anlässlich des Gedenktages der Vertreibung der Ungarndeutschen am 19. Januar.
Das Programm wurde heuer von der Klasse 10.C auf die Bühne gebracht; sie waren auch schon im letzten Schuljahr im Jahrgang 9 verantwortlich für die Feierlichkeit. Das ist auch der Grund dafür gewesen, dass man jetzt versucht hat, die tragischen Begebenheiten aus einem anderen Blickwinkel, durch die Augen eines frei erfundenen sieben Jahre alten Mädchens zu rekonstruieren. Die beiden Enkelinnen der inzwischen zur Großmutter gewordenen Hauptfigur finden das damalige Tagebuch der Oma und lesen darin ihre Aufzeichnungen. Der Rückblick umfasst die folgeschwere Volkszählung 1941, die Agitation für den Volksbund, die Schrecken von Verschleppung, Kriegsereignisse und Vertreibung. Jedoch alles in einem leicht-heiterem naiv-kindlichen Ton.
Zwischendurch wurden immer wieder durch Video- Tonbeiträgen bzw. durch einen sachlich-historischen Narrator die Zusammenhänge und Hintergrundinformationen nahegelegt. Die musikalischen Einlagen des Kammerchors der Schule – der UBZ-Nachtigallen – begleitet von Josef Emmert trugen besonders dazu bei, dass die Atmosphäre der Aufführung dem Publikum nahegebracht wurde. Auf der Bühne haben die Schülerinnen und Schüler das Erzählte teils stumm, teils als szenisches Spiel vergegenwärtigt. Ganz zum Schluss wird dem Mädchen das Tragische an ihrem Schicksal deutlich und sie äußert den Wunsch: „Ich möchte bitte nach Hause … nach Hause“.
„Die Vorbereitung hat mich berührt. Es war nicht einfach den Schmerz zu erleben, den die Leute damals erfahren mussten.“ sagte einer der Darsteller, Benedek Faa. Direktorin Frau Ivett Nuber-Honti fügte noch hinzu: „Die Kinder haben die Begebenheiten sehr gut nahegebracht.“
Die Schulleitung des Ungarndeutschen Bildungszentrums versucht eine neue Tradition einzuführen, indem das Gedenkprogramm am nächsten Tag auch in der UBZ-Mercedes Benz Schule in Kecskemét vorgetragen wurde.