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„Aktiv mit Zielen zum Erfolg!“

MNÁMK-UBZ > Einheitliche Schule > „Aktiv mit Zielen zum Erfolg!“

Interview mit Gabriella Scherer, ehemalige Hauptdirektorin des UBZ

Prof. Dr. Miklós Kásler, Minister für Humanressourcen und Dr. Zoltán Maruzsa, Staatssekretär für öffentliches Bildungswesen überreichten am 7. Juni 2021 Ehrentitel an Lehrer. Unter den Preisträgern war auch Gabriella Scherer, ehemalige Hauptdirektorin des Ungarndeutschen Bildungszentrums, die mit dem Apáczai-Csere-János-Preis ausgezeichnet wurde. Mit der Empfängerin dieser prestigeträchtigen Auszeichnung habe ich ein Gespräch geführt.

Gabi, noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Apáczai-Csere-János-Preis! Diese prestigeträchtige staatliche Auszeichnung wird jährlich an 18 Lehrer des öffentlichen Schulwesens verliehen.  Wie hast du dich gefühlt, als du erfahren hast, dass dein Name unter den diesjährigen Empfängern ist?

– Danke für die Glückwünsche. Ich war überrascht und sehr gerührt. Ich habe mich sehr gefreut, weil ich es als ein sehr wertvolles Feedback zu meiner Arbeit betrachte. Aber was mich am meisten beeindruckt hat, war, dass es Leute gab, die mich nominiert und unterstützt haben, um eine solche Auszeichnung zu erhalten. Dafür bin ich dankbar!

Scherer Gabriella

– Dein Leben ist fast mit dem UBZ verwoben, da du rund 30 Jahre in der Institution verbracht hast. Du hast hier gelernt und bist nach dem Studium zurückgekommen, um hier zu unterrichten. War diese Richtung völlig klar?

– Ja. Als ich gefragt wurde, wie lange ich im UBZ gearbeitet hatte, gab ich sofort 1981 als Anfangsdatum an, obwohl ich damals meine Gymnasialjahre am Vorgänger des UBZ, im Leo Frankel Deutschsprachigen Gymnasium begonnen hatte. Von diesem Jahr an war ich bis Ende Dezember 2019 am UBZ – mit Ausnahme der fünf Jahre des Studiums und natürlich habe ich in dieser Zeit die Institution, die Kollegen und die Schüler liebgewonnen.

Welche Vorstellungen hattest du, als du deine Lehrtätigkeit an der Einrichtung begonnen hast, an der du deine Schuljahre verbracht haben? Wie fühltest du dich dann als Lehrer unter deinen ehemaligen Lehrern?

Ich fand mich in einer großartigen fachlichen und menschlichen Gemeinschaft wieder, ich war inspiriert. Das UBZ ist immer noch ein hervorragendes, kreatives Kollektiv. An der Universität lernt man viel, aber in der Schule wird man zum Pädagogen.  Unsere Aufgabe als Lehrer kann nichts anderes sein, als Kinder zu erziehen, damit sie mit dem Wissen, den Fähigkeiten und Kompetenzen, die wir vermitteln, ihren Platz im Leben finden! Nicht der Lehrplan steht im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, die Talente der Kinder durch unsere Fächer zu entwickeln! Denn jedes Kind ist begabt und wir haben 8, vielleicht 12 Jahre in der Schule, um auf seine Stärken zu bauen und ihm zu helfen, dieses Talent zu finden und zu entwickeln.

– Das ist es, was den Lehrerberuf ausmacht? Ist also die Persönlichkeit des Lehrers das A und O des Jobs?

– Der Lehrer arbeitet mit seiner eigenen Persönlichkeit. Bewusst oder unbewusst, er ist immer ein Vorbild für die Kinder. Ich denke, es ist wichtig, dass die Schüler das Lernen erlernen und wie sie sich Wissen aneignen, kooperieren und sich an verschiedene Situationen anpassen.  Aber meiner Erfahrung nach wage ich auch zu sagen, dass sich ein Kind Jahre später nicht daran erinnern wird, dass ich ihm die Schlacht von Mohács in Geschichte beigebracht habe, sondern wie ich es gemacht habe.

– Nach vielen Jahren als Lehrer hast du dich zunächst in der Leitung der Institution „geübt” und bist dann als Hauptdirektorin an die Spitze des UBZ gekommen. Was hat dich motiviert?

– Die größte Herausforderung bestand darin, den Fortschritt in unserer sich ständig verändernden Welt sicherzustellen. Als Leiterin konzentrierte ich mich darauf, eine Vision davon zu haben, wie „unserer“ Meinung nach eine gute Schule aussehen sollte. Der Plural ist in diesem Fall ein Bezug auf meine Führungskollegen, da ich schon immer ein Teamdenker war. Wir haben nie darauf gewartet, dass uns jemand sagt, in welche Richtung wir gehen sollen. Wir hatten unsere eigenen institutionellen Ziele und unsere eigenen Ideen. Als Nationalitäteneinrichtung war natürlich der Erwerb der deutschen Sprache und Kultur, die Identitätsbildung der Kinder der zu beschreitende Weg und eine wichtige Priorität. Aber ich sah die Weiterentwicklung der deutschen Schule als eine echte Pionieraufgabe. Gemeinsam haben wir den Rahmen für all dies erfunden und geschaffen. Wir haben viele Innovationen und professionelle Entwicklungen vorgenommen, um eine moderne, kindgerechte Schule mit einem vielfältigen Angebot zu schaffen. Dies hat sich positiv ausgewirkt, da die Schülerzahlen gestiegen sind, was eine Verbesserung der Infrastruktur (Gemeinschaftsspielplatz, Oberstufengebäude, neue Sporthalle) notwendig machte, aber auch ermöglicht hat.

– Wenn du jetzt, nach ein paar Jahren, zurückblickst, wie würdest du diese Zeit deines Lebens bewerten? Inwieweit ist es dir gelungen, all das zu erreichen, was du dir zu Beginn deiner Amtszeit als Hauptdirektorin vorgenommen hast?

– Meine Mitarbeiter und ich haben uns keinen Moment lang ausgeruht. Wir haben Ideen gehabt, wir haben uns informiert, wir haben uns in modernsten pädagogischen und arbeitsorganisatorischen Fragen weiterentwickelt und haben viele fachliche Neuerungen eingeführt, sei es kompetenzorientierte Bildung, die Ganztagsschule oder Zweisprachigkeit. Unsere Aktivitäten wurden vor allem durch die gestiegene Anzahl von Projekten bestätigt. Ich glaube, dass das Sprichwort „Übung macht den Meister“ auf meine Zeit hier am ehesten zutrifft. Damit will ich nicht darauf hinweisen, dass ich in der Zwischenzeit auch Meisterpädagoge geworden bin, sondern darauf, dass (fast) alles möglich ist. Man darf aber nicht aufgeben, sondern man soll nach vorne schauen, sich immer wieder neue Ziele setzen und darauf hinarbeiten, diese zu erreichen.

– Lass uns ein wenig über die berufliche Entwicklung der Pädagogen sprechen. Sie können auch nicht stillstehen, während die Welt an ihnen vorbeizieht. Wie siehst du das?

– Was mich betrifft, habe ich jede Gelegenheit genutzt, um meine Lehr- und Führungsfähigkeiten zu entwickeln. Ich habe mich zur Mediatorin und anschließend zum Coach ausbilden lassen, um besser mit meinen Kollegen zu kommunizieren und ihnen zu helfen, Konflikte friedlich und einvernehmlich zu lösen. Das erworbene Wissen habe ich in meine tägliche Arbeit in Schulen und als Beraterin einfließen lassen. Ich strebe danach, mich ständig weiterzuentwickeln und zu erneuern. Mit meinen Kollegen habe ich mich darauf konzentriert, auf ihren Stärken zu bauen, um eine Schule, eine unterstützende Umgebung zu schaffen, in der sie sich wohl fühlen und ihr Bestes erreichen können. Es sind die Erfolge der Lehrer und der Schüler, die eine Schule erfolgreich machen.

Du arbeitest jetzt in Kecskemét, als Bildungskoordinatorin der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft., hast aber das UBZ nicht ganz verlassen. Was ist dein neuer Job?

– Um die Frage genau zu beantworten, müssen wir ins Jahr 2015 zurückgehen. Damals haben wir begonnen, die Mercedes-Benz Schule für ungarische Kinder zu öffnen. Meine derzeitige Aufgabe als Mitarbeiterin der Mercedes-Benz Manufacturing Hungary Kft. ist es unter anderem, in enger Zusammenarbeit mit der Hauptdirektorin und dem deutschen Schulleiter des UBZ – da es sich bei der Mercedes-Benz Schule um eine Abteilung des UBZ handelt – die Möglichkeit eines deutsch-ungarischen Schulabschlusses für die in Kecskemét lernenden Kinder zu schaffen.

– Du hast auch eine eigene Website – www.felkeszitelek.hu – die zeigt, dass du und deine Mitarbeiter auch im Bereich der individuellen Förderung arbeiten.

– Das ist richtig. Ich kann und will nicht aus meiner Haut heraus. Ich habe meinen Beruf als Lehrerin nie verlassen. Ich glaube daran, dass man im Laufe seines Lebens ständig lernt und sich entwickelt. In meinem Unternehmen mit einem jungen Team bieten wir individuelle Förderung und Weiterbildung in den Bereichen Berufsorientierung, Lernmethodik, Deutschunterricht, Kommunikation, Bewusstsein und Karriereplanung. Auf der Website www.felkeszitelek.hu findet man ausführliche Informationen zu all diesen Themen. Wir versuchen, jungen Menschen dort im Bereich der individuellen Förderung Perspektiven zu eröffnen, denn dies ist ein Thema, das auch für gute Schulen eine große Herausforderung darstellt.

– Eine letzte Frage zum Schluss. Vermisst du das UBZ?

– Ich habe wunderbare und prägende Jahre meines Berufslebens am UBZ verbracht. Wie du in einer deiner Fragen zu Beginn des Interviews formuliert hast, ist mein Leben mit dieser Institution verwoben. Außerdem haben meine beiden Söhne hier ihren Abschluss gemacht, ich bin wirklich stolz auf sie! Ich bin sicher, dass sie in den Jahren dort so viel Rüstzeug erhalten haben, das ihnen helfen wird, ihren Platz im Leben zu finden. Dafür bin ich als Mutter dem Lehrerkollegium des UBZ dankbar und fühle mich als ehemalige Lehrerin und Generaldirektorin der Einrichtung ein wenig mitverantwortlich für ihren Erfolg. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich diese Atmosphäre nicht vermisse, aber ich denke, das Leben hält noch weitere berufliche Herausforderungen für mich bereit.

– Herzlichen Dank für das Interview!

Antal Fiedler

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